Dialogabendessen im NRW Landtag 2008-6

Dialogabendessen im NRW Landtag 2008

An dem Iftar-Abend, das durch viele Gespräche bereichert wurde, nahmen auch die Landtagspräsidentin Regina van Dinther und der Integrationsminister Armin Laschet sowie die Abgeordneten der Großen Nationalversammlung der Türkei, Sahkulubey, Sahin und Koca, teil.

Landtagsvizepräsident Oliver Keymis, auch Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass mit jedem zunehmenden Tag das Bedürfnis nach gegenseitigem Dialog wächst, damit Ängste und Vorurteile zu überwindet werden können. In seiner Rede sprach er sich gegen jegliche Form der Extremität aus und forderte mehr Zusammenarbeit für eine gemeinsame Zukunft. Er unterstrich die Bedeutung des Signals, das von dem gemeinsamen Fastenbrechen von muslimischen Gläubigen, ausländischen Diplomaten und Abgeordneten im Landtag NRW ausgehe: „Der Landtag NRW ist das Zentrum der Demokratie in Nordrhein-Westfalen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir von diesem Ort aus unseren gemeinsamen festen Willen für einen respektvollen Umgang miteinander und für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion demonstrieren. Das ist das Band, das uns einigt, trotz der Unterschiede, die nicht zugedeckt werden sollen.“

Tayyar Kocak, Vorsitzender des Rumi-Forums am Rhein, betonte, dass das Rumi-Forum am Rhein seine Aktivitäten im überregionalen Bereich halten und versuchen wird, mit Hilfe geeigneter Partner auch nationale Projekte zu veranstalten. Der Dialog mit Hilfe der Bildung, Kunst und Kultur wird dabei im Vordergrund stehen. Mustafa Altas (World Media AG) erwähnte die Wichtigkeit der Medien im interkulturellen Dialog und sagte, dass die World Media AG mit der Gründung von Ebru TV, der in Deutsch und Englisch ausstrahlen wird, einen weiteren Schritt für den friedlichen Dialog schreiten wird. Armin Laschet beglückwünschte das Ramadanfest auf Türkisch und betonte mit dem Stammvater Abraham die Gemeinsamkeit der drei monotheistischen Religionen. Er wünscht sich, dass mit diesem zweiten Iftar-Abend im Landtag diese zu einem Ritual und einem Zeichen für Frieden und Toleranz werden. Regina van Dinther teilte mit, im Rumi-Forum am Rhein einen Dialogpartner gefunden zu haben, nach dem lange Ausschau gehalten wurde.

Der Abend wurde mit der Vergabe von Geschenken an Frau van Dinther, Herrn Laschet und Herrn Keymis sowie die Abgeordneten der Großen Nationalversammlung der Türkei abgerundet.Der Landtag NRW, das Rumi-Forum am Rhein als Dialog- und Begegnungsplattform für gemeinsame Werte sowie dessen Medienpartner, die World Media Group AG, hatten die Abendveranstaltung gemeinsam ausgerichtet.

 

  • Ort: Landtag NRW, Düsseldorf
  • Datum: 23. September 2008
  • Dialogabendessen im NRW Landtag 2008-2 Dialogabendessen im NRW Landtag 2008-3 Dialogabendessen im NRW Landtag 2008-4 Dialogabendessen im NRW Landtag 2008-5 Dialogabendessen im NRW Landtag 2008

 

Ghettoisierung-1

Ghettoisierung

In öffentlichen Diskussion wird immer häufiger vom Problem der Ghettoisierung gesprochen. So wird der Eindruck vermittelt, dass dieses offensichtliche Problem meist die Schuld nicht integrierbarer Einwanderer sei und gestoppt werden müsse, damit nicht Zustände wie in Frankreich, England oder der USA entstehen.

Schon zu Beginn seines Referates machte Herr Karakoyun deutlich, dass der Begriff «Ghetto» nach der Definition im Meyerschen Lexikon für die Situation in Deutschland abzulehnen sei. Hiernach ist ein Ghetto die forcierte Ansiedlung einer Ethnie in einem Stadtbezirk, wie z.B. die behördlich erzwungenen und räumlich beschränkten jüdischen Wohnviertel der Vergangenheit.

Natürlich sei es nicht zu leugnen, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland geographisch ungleich verteilt sind: während im Westen 96% leben, sind es im Osten hingegen nur 4%. In Großstädten ist ihr Anteil am höchsten, vor allem in Stuttgart ( 40%), Frankfurt (39,5%) und Nürnberg (37%). Bei den unter 5-Jährigen liegt der Anteil in diesen Städten sogar über 60%. Knapp ein Drittel aller unter Fünfjährigen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Diese Zahlen können beunruhigend wirken, aber dennoch ist es falsch von Ghettoisierung zu sprechen. Sie ist hier nicht gezwungen, im Gegenteil: es ist natürlich, dass sich Einwanderer in einem fremden Land seinesgleichen suchen. In England, der USA und in Frankreich sind durchaus Quartiere mit 100% pakistanischem, latein- und afroamerikanischem oder arabischem Anteil zu finden, aber in Deutschland gibt es keinen Bezirk, wo der Anteil einer Ethnie 25% übersteigt. Aus diesen Gründen befürwortet Herr Karakoyun von Segregation und räumlicher Konzentration zu sprechen, ein über mehrere Jahrzehnte laufender Prozess und aus verschiedenen Gründen unvermeidbares Ergebnis. Solche Bezirke bringen durchaus positiven Nutzen, wenn man bedenkt, dass mittlerweile 300.000 Unternehmer mit Migrationshintergrund der deutschen Wirtschaft einen Beitrag von 50 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr leisten. Ohne Segregation und damit der Bildung eines Klientels mit besonderer Nachfrage wäre dieser Umsatz nicht möglich. Ebenso bilden sich ethnischen Quartieren Interessengesellschaften, gründen Vereine und formieren sich so zu Ansprechpartnern für die örtliche Politik. Somit stelle die räumliche Konzentration von Einwanderern kein Problem dar und man dürfe es nicht zu einem Problem machen, indem solche Gebiete vernachlässigt werden und von Investitionen verschont blieben.

Es wird nach demokratischen Regeln nicht möglich sein eine gleichverteilte Gesellschaft zu erzwingen, noch würde das Integration fördern, weil die Isolation unter „Anderen“ zu nichts nützliche psychologische Unruhe verursachen würde. Man solle die Segregation von Einwanderern als Tatsache akzeptieren und nicht versuchen diese aufzuhalten. Für ein harmonisches Zusammenleben gilt es echte soziale Probleme (Bildungsarmut und Arbeitslosigkeit) in solchen Gebieten zu lösen. In der wirtschaftlichen Blüte nach den 60er bis 80er wurde Ghettoisierung weder thematisiert noch problematisiert.

Nach Herrn Karakoyun muss die Integrationspolitik der Städte in den Wohnquartieren der Zuwanderer ansetzen und sollte deshalb Sorge tragen, dass die stadträumliche Segregation der Zuwanderer nicht zu ihrer gesellschaftlichen Ausgrenzung führt. In ethnisch geprägten Wohnquartieren müssen gleichwertige Chancen sichergestellt sein. Ebenso muss verhindert werden, dass ethnische Quartiere von den Zuwanderergruppen werden, sich von der Gesellschaft abzugrenzen und ein isoliertes Milieu zu bilden.

  • Ort: Schloss Mickeln, Düsseldorf
  • Datum: 04. September 2008