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Stellung des Propheten Abraham in den drei monotheistischen Weltreligionen

Am 17. Oktober 2008 fand das vierte Rumigespräch am Rhein statt. Referent dieses Gesprächs war von der evangelischen Landeskirche der Pfarrer Herr Nikodemus, der in der evangelischen Landeskirche für den Bereich Ökumene, Mission und Religionen zuständig ist. Das Thema des Vortrags handelte über die hervorragende Stellung des Propheten Abraham in den drei monotheistischen Weltreligionen. Herr Nikodemus wies zu Beginn seines Vortrags daraufhin, dass der Prophet Abraham in der Geschichte der monotheistischen Religionen auf der einen Seite eine trennende Wirkung ausgeübt habe, jedoch seine Vereinende Wirkung deutlich überwiege.

Das Einende in den abrahametischen Religionen seien insbesondere die heiligen Schriften, die Propheten und der Glaube an das jüngste Gericht. Zudem gäbe es auch in spiritueller Hinsicht eine Vielzahl von verbindenden Faktoren, wie etwa die treibende Kraft der „Liebe“, die in allen Religionen eine zentrale Bedeutung zugeschrieben werden. In diesem Zusammenhang ging Herr Nikodemus kurz auf die „christliche Nächstenliebe“ ein und betonte, dass jeder Christ dieses Gebot zumindest als Ideal für sein Denken und Verhalten heranziehen müsse.

Die treibende Kraft der Liebe sei auch unter muslimischen Persönlichkeiten wie etwa Rumi nicht übersehbar. Diese vereinenden Elemente müssten auch in der Gegenwart als Orientierung herangezogen werden, damit das friedliche Miteinander der Menschheit hergestellt werden könne.

Weiterhin erinnerte Herr Nikodemus daran, dass die Angehörigen der drei Weltreligionen den Propheten Abraham in der Geschichte für sich alleine beansprucht und daraus sich auch Streitigkeiten und Konflikte ergeben haben. Dies sei darauf zurückzuführen, dass alle Religionen in dem Propheten Abraham eine Art Identifikationsfigur sehen würden.

Nach dem Vortrag wurde das Wort an die Teilnehmer übergeben, die Fragen über den Vortrag stellten. Insbesondere wurden Fragen dahin gehend gestellt, wieso es trotz der überwiegenden vereinigenden Gründe Spannungen und Gewalt im interreligiösen Bereich gegeben habe bzw. immer noch gäbe. Herr Nikodemus wies in seinen Antworten daraufhin, dass es fehlerhaft und irre leitend sei, wenn man in diesem Zusammenhang verallgemeinere. Er berichtete über seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Muslimen und unterstrich, dass positive sowie negative Verhaltensweisen bei allen Religionsangehörigen anzutreffen sei. Die radikalen Strömungen hätte es in der Geschichte immer gegeben, und zwar bei allen drei monotheistischen Religionen. Dieses Problem sei aber nicht nur in den Religionen verwurzelt, was allein anhand der beiden Weltkriege festzustellen sei, die nicht religiös motiviert gewesen sind. Viele Konflikte und gewaltsame Auseinandersetzungen seien vielmehr politischer Natur. Leider müsse man häufig die Feststellung treffen, dass die Religionen für politische Ziele instrumentalisiert werden würden.

Die Teilnehmer äußerten ihre Zufriedenheit hinsichtlich des Vortrags und brachten den Wunsch zum Ausdruck, religiöse Themen aufgrund der Aktualität öfters zu thematisieren.
Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich der Vorsitzende des Rumiforums am Rhein, Herr Tayyar Kocak, beim Herrn Pfarrer Nikodemus und betonte, dass man in erster Linie im interkulturellen Bereich tätig sei, aber dem interreligiösen Dialog ebenfalls sehr große Bedeutung beimesse.

 

  • Ort: Schloss Mickeln, Düsseldorf
  • Datum: 17. Oktober 2008
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