Gülen-Bewegung Ditib

Amerika nach der Wahl

In diesem Gespräch am 02. Februar 2009 im Schloss Mickeln hatte das Rumi-Forum die Ehre den amerikanischen Generalkonsul Matthew Boyse zum aktuellen Thema „ Amerika nach der Wahl“ begrüßen zu dürfen. Zu Beginn seiner Rede unterstrich Herr Generalkonsul, dass die Wahl des ersten farbigen Präsidenten der Vereinigten Staaten ein historisches Ereignis sei.

Martin Luther King hätte sich sehr gefreut, wenn er die Wahl Barack Obamas zum amerikanischen Präsidenten miterlebt hätte. Durch die Wahl Obamas zum Präsidenten sei klargestellt worden, dass die Hauptfarbe für die Besetzung des höchsten Postens in den Staaten kein Hindernis sei. Die weltweit intensiv geführten Berichtserstattungen in den Medien bezüglich des neuen Präsidenten werden nicht zur Obama-Müdigkeit führen. „Es werden jetzt erst wirklich spannend, da auf den neuen Präsidenten Herausforderungen warten, die weltweit mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden“, so Boyse. Diese Herausforderungen, die Barack Obama bewältigen müsse, bezeichnete der Generalkonsul als „die Zehn Gebote“ Obamas.

Das „erstes Gebot“ sei die Regenerierung der globalen Finanzmärkte. Obamas Erfolg werde in erster Linie mit der Behebung der Weltwirtschaftskrise bewertet werden. Wie schwierig diese Mission sein werde, habe man nach Auffassung von Boyse bei der IWC in Davos beobachten können. Die Teilnehmer, alle ausnahmslos unumstrittene Wirtschaftsexperten, die in wirtschaftlicher Hinsicht weltbekannt sind, haben in den Diskussionsrunden rund um das Thema Weltwirtschaftskrise deutlich gemacht, dass keine Patentlösung existiere. Es habe sich bei diesen Diskussionen unmissverständlich klargestellt, dass es eine einfache Lösung nicht geben werde, da selbst die Weltelite im Wirtschaftsleben sich uneins gewesen sei. Der neue Präsident sei sich der dargestellten Wirtschaftssituation und der hohen Verantwortung diesbezüglich auch bewusst. Deswegen habe er auch während der Wahlkämpfe und unmittelbar nach seinem historischen Wahlsieg mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass die Lösung der globalen Finanzkrise oberste Priorität besäße.

Das „zweite Gebot“ sei die Wiederherstellung des weltweiten Friedens. In diesem Zusammenhang habe Obama auch der islamischen Welt das Dialog- und Friedensangebot mit aller Aufrichtigkeit unterbreitet. Diese Haltung sei von Obama auch in dem Interview bei dem arabischen Sender Al Arabia unterstrichen worden. Nichtsdestotrotz werde es aber sehr schwierig sein, diesen diplomatischen Friedenskurs beizubehalten, da es viele Extremisten gäbe, die die Religion zur politischen Ziele Instrumentalisieren. Hinzu komme, dass die multilateralen Beziehungen des Unterfangens „Herstellung des Friedens“ ohnehin sehr schwierig mache. Im Lichte dieser Erwägungen müsse nach der Meinung von Boyse jedem klar sein, dass das Herbeiführen des Weltfriedens ein sehr gut gemeintes, aber gleichzeitig auch sehr schwierig zu erreichendes Ziel sei. Aufgrund der Komplexität und Brisans dieses Themas, versuche der neue Präsident bezüglich des Friedens mit der islamischen Welt auch die Republikaner mit einzubeziehen, um diese schwierige politische Hürde mit Erfolg zu überwinden.

Das „dritte Gebot“ sei die Wiederherstellung der Menschenrechte und Hervorhebung der Rechtsstaatlichkeit. Die Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo sei auch aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Obama habe sich dafür ausgesprochen, dass jeder Mensch ein Recht auf ein faires rechtsstaatliches Verfahren habe, da ansonsten das Vertrauen in die Justiz erschüttert werde. Weiterhin habe sich der neue Präsident ohne wenn und aber gegen Folter von Gefangenen ausgesprochen.

In dem weiteren Verlauf seines Vortrages gab Boyse an, dass das vierte Gebot die Kontrolle der Spekulanten bzw. Transparenz auf dem Finanzmarkt sei, das fünfte Gebot laute Umweltschutz, das sechste sei der Schutz der USA vor Terrorangriffen. Die Gebote sieben bis zehn beträfen innenpolitische Themen wie Gesundheit und Bildung.

Nach dem Vortrag wurde das Wort den Teilnehmern übergeben, die an den Generalkonsul Fragen stellten und ihre Meinungen zum Ausdruck brachten. Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich der Herr Kocak, der Vorsitzende des Rumi-Forums am Rhein, für die Teilnahme des Herrn Generalkonsuls und überreichte ein kleines Geschenk.