787ae9ec9023a82f5aa7e4c1a64f73cb_L

Die Bildungslage in Deutschland

Im März 2009 war die NRW-Landtagspräsidentin Frau Regina van Dinther Ehrengast und Referentin des Rumigesprächs. Sie trug einen Vortrag über das Thema „Bildung“, insbesondere die Bildung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte vor.

In Ihrer Rede hob die Präsidentin zunächst hervor, dass die Bildung nach Maßgabe des Grundgesetzes in den Kompetenzbereich der Länder zugeordnet ist. Daher müsse sich die Landespolitik mit diesem elementar wichtigem Thema in einer intensiven Art und Weise sachlich auseinander setzen, um eine erfolgreiche Zukunft des Landes NRW gewährleisten zu können.

Die Landtagspräsidentin sprach in Ihrem Vortrag die „Pisa Studie“ an. Sie teilte in diesem Zusammenhang mit, dass bei dieser Studie vor allem das Land NRW schlecht abgeschnitten habe. Ein wesentlicher Punkt für dieses schlechte Abschneiden sei unter anderem die Leistungen von Kindern mit Migrationshintergrund gewesen. Aus diesem Grund nehme die Landesregierung die Förderung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte sehr ernst. So habe man bei der Sprachförderung die Ausgaben achtfach erhöht, um bestehende sprachliche Barrieren abzubauen. Die Beherrschung der deutschen Sprache sei für eine erfolgreiche Bildung nicht hin wegzudenken. Dabei betonte die Präsidentin, dass die sprachliche Förderung schon vor dem Schulbesuch erfolgen müsse. Jedes Kind im Vorschulalter müsse einen Kindergartenplatz erhalten und in sprachlicher Hinsicht gefördert werden. Die erfolgreiche Schullaufbahn setze voraus, dass das Kind bereits beim Schulanfang die Grundkenntnisse in deutscher Sprache beherrsche. Daher habe die Landesregierung auch das Budget für die Kindergarten erheblich erhöht, um all diesen Anforderungen gerecht zu werden.

In dem weiteren Verlauf Ihres Gesprächs ging Sie auf die Unterstützung von Mädchen und Frauen ein. Wichtig sei vor allem die Förderung von Mädchen/Frauen, damit geschlechtsspezifische Benachteiligungen vermieden werden können. In diesem Zusammenhang schilderte die Frau van Dinther Ihre eigene Karriere als Beispiel dar. Sie habe in einer Zeit Ingenieurwissenschaften studiert, in der es unüblich war, dass eine Frau einen solchen beruflichen Werdegang bestritt. Sie habe aber gekämpft und dafür auch die Früchte Ihrer Bemühungen geerntet.

In Ihrem Vortrag unterstrich die Präsidentin mehrfach die aktive Teilnahme der Frauen in allen gesellschaftlichen und politischen Schichten. Sie betonte, dass ohne das Mitwirken der Frauen/Mütter eine erfolgreiche Bildungspolitik undenkbar sei. Weiterhin trug die Landtagspräsidentin vor, dass die Eltern selber auch Verantwortung übernehmen müssen, um eine erfolgreiche Bildung Ihrer Kinder zu gewährleisten. Man dürfe nicht alles von den Lehrern/innen erwarten. Vielmehr müssten die Eltern selber mitwirken, um ihren elterlichen Fürsorgepflichten gerecht zu werden. Es sei nicht verantwortungsvoll, alles von den Lehrern zu erwarten.

Darüber hinaus sagte die Präsidentin, dass für eine erfolgreiche Bildungspolitik Vorbilder mit Migrationshintergrund sehr wichtig seien. Diese müsse man in den Vordergrund stellen, damit die Kinder mit ausländischen Wurzeln sehen, dass eine erfolgreiche Karriere für jeden möglich ist. Diesbezüglich wies Sie auf Projekte hin, die von der Landesregierung getragen werden und warb für ein erfolgreiches gelingen dieser Projekte um aktive Partizipation von Akademikern mit Migrationshintergrund.

Zum Schluss Ihrer Rede beklagte Frau van Dinther, dass es in Deutschland im internationalen Vergleich zu wenige Akademiker gebe. Die Anzahl der Akademiker müsse gesteigert werden, um international weiterhin wettbewerbsfähig blieben zu können. Der Wirtschaftsstandort NRW brauche mehr Akademiker, so die Präsidentin.

Nach Ihrem Vortrag wurde das Wort an die etwa 200 Zuschauer übergeben, die der Präsidentin Fragen stellen durften. Die Fragerunde dauerte über eine Stunde. Das große Interesse der Teilnehmer/innen war nicht zu übersehen. Anschließend unterhielt sich die Frau van Dinther mit den Vertretern von mehreren Fraueninitiativen, und unterstrich die Bedeutung der aktiven Teilnahme von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte im sozialen Leben. Frauen mit Migrationshintergrund müssten sich in allen gesellschaftlichen Bereichen engagieren. Sie versprach den Frauen, diese in Ihren Tätigkeiten zu unterstützen.

Gülen-Bewegung Ditib

Selbstbild und Fernsehnutzung junger Menschen mit türkischem Migrationshintergrund

Die Themen Migration und Integration haben eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz. Auch die Medien reagieren in ihrer inhaltlichen Gestaltung darauf. Die Vorabendserie »Türkisch für Anfänger« und der Fernsehfilm »Wut« im Ersten sowie die WDR-Dokureihe »Die Özdags« sind anschauliche Beispiele hierfür. Dem Fernsehen wird vorgeworfen, Stereotype und Klischees über die Türkei zu reproduzieren.

Nicht nur in Nachrichten, auch in fiktionalen Sendungen wird die Darstellung von Türken oft als einseitig, eindimensional und klischeebeladen kritisiert. Die Frage ist, ob die Umsetzung aus Sicht der jeweiligen Migrantengruppe gelungen erscheint. Dieser Frage wurde im Rahmen einer qualitativen Auftragsstudie im Jahr 2006 nachgegangen. Junge Menschen mit türkischem Migrationshintergrund stellen türkische TV-Persönlichkeiten auf den Prüfstand: Wer von ihnen entspricht dem Bild des Türken ohne ins Klischee abzugleiten?

Unter dem Titel „Selbstbild und Fernsehnutzung junger Menschen mit türkischem Migrationshintegrund“ hat das Rumi-Forum am Rhein deutsche und türkische Akademiker an einen Tisch gebracht um Probleme anzusprechen und Lösungen zu suchen.

Dipl.-Psychologin Regine Hammeran (Geschäftsfeldleiterin der result GmbH mit Themenschwerpunkt »Medien- und Migrationsforschung«) hat in dieser Studie festgestellt, dass Türken in der Altersgruppe der 19 bis 49-Jährigen sich nicht gerne mit dem Bild der Türken identifizieren, das im deutschen Fernsehen aussgesstrahlt wird. Als besonders störend empfunden und daher nicht als Selbstbildnis aufgefasst werden die oft dargestellten Klischees des Döner- und Obstverkäufers oder Problememachers.

Die propagierte Medienpolitik führt bei den türkischen Bürgern zu einer leicht abneigenden Haltung gegenüber dem Deutschen TV, wobei das deutsche Fernsehprogramm aber generell als „seriös und kalt“ empfunden wird. Die türkischen Medien hingegen werden als sehr „emotional unbd sensationslastig“ eingestuft. So ähneln türksche Nachrichten im Vergleich zur seriösen Nachrichtenstellung der Detuschen schon fast Magazinprogrammen, werden aber als objektiver empfunden als deutschen Nachrichten, die befangener erscheinen. Hieraus ist ensteht der Vorteil beides anschauen und zusammenführen zu können, um zu entscheiden, wo die Wahrheit ist.

Fr. Hammeran betonte, dass die Medien eine hohe Verantwortung für die Integration tragen und alles darum geben sollten, „fremde“ Darsteller so zu positionieren, dass sie nicht Klischees spielen, sondern als Vorbilder dienen und integrationsfördernd sind. Das kann nur durch die enge Zusammenarbeit mit den Medien und der darzustellenden Minderheit geschehen.

Gülen-Bewegung Ditib

Amerika nach der Wahl

In diesem Gespräch am 02. Februar 2009 im Schloss Mickeln hatte das Rumi-Forum die Ehre den amerikanischen Generalkonsul Matthew Boyse zum aktuellen Thema „ Amerika nach der Wahl“ begrüßen zu dürfen. Zu Beginn seiner Rede unterstrich Herr Generalkonsul, dass die Wahl des ersten farbigen Präsidenten der Vereinigten Staaten ein historisches Ereignis sei.

Martin Luther King hätte sich sehr gefreut, wenn er die Wahl Barack Obamas zum amerikanischen Präsidenten miterlebt hätte. Durch die Wahl Obamas zum Präsidenten sei klargestellt worden, dass die Hauptfarbe für die Besetzung des höchsten Postens in den Staaten kein Hindernis sei. Die weltweit intensiv geführten Berichtserstattungen in den Medien bezüglich des neuen Präsidenten werden nicht zur Obama-Müdigkeit führen. „Es werden jetzt erst wirklich spannend, da auf den neuen Präsidenten Herausforderungen warten, die weltweit mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden“, so Boyse. Diese Herausforderungen, die Barack Obama bewältigen müsse, bezeichnete der Generalkonsul als „die Zehn Gebote“ Obamas.

Das „erstes Gebot“ sei die Regenerierung der globalen Finanzmärkte. Obamas Erfolg werde in erster Linie mit der Behebung der Weltwirtschaftskrise bewertet werden. Wie schwierig diese Mission sein werde, habe man nach Auffassung von Boyse bei der IWC in Davos beobachten können. Die Teilnehmer, alle ausnahmslos unumstrittene Wirtschaftsexperten, die in wirtschaftlicher Hinsicht weltbekannt sind, haben in den Diskussionsrunden rund um das Thema Weltwirtschaftskrise deutlich gemacht, dass keine Patentlösung existiere. Es habe sich bei diesen Diskussionen unmissverständlich klargestellt, dass es eine einfache Lösung nicht geben werde, da selbst die Weltelite im Wirtschaftsleben sich uneins gewesen sei. Der neue Präsident sei sich der dargestellten Wirtschaftssituation und der hohen Verantwortung diesbezüglich auch bewusst. Deswegen habe er auch während der Wahlkämpfe und unmittelbar nach seinem historischen Wahlsieg mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass die Lösung der globalen Finanzkrise oberste Priorität besäße.

Das „zweite Gebot“ sei die Wiederherstellung des weltweiten Friedens. In diesem Zusammenhang habe Obama auch der islamischen Welt das Dialog- und Friedensangebot mit aller Aufrichtigkeit unterbreitet. Diese Haltung sei von Obama auch in dem Interview bei dem arabischen Sender Al Arabia unterstrichen worden. Nichtsdestotrotz werde es aber sehr schwierig sein, diesen diplomatischen Friedenskurs beizubehalten, da es viele Extremisten gäbe, die die Religion zur politischen Ziele Instrumentalisieren. Hinzu komme, dass die multilateralen Beziehungen des Unterfangens „Herstellung des Friedens“ ohnehin sehr schwierig mache. Im Lichte dieser Erwägungen müsse nach der Meinung von Boyse jedem klar sein, dass das Herbeiführen des Weltfriedens ein sehr gut gemeintes, aber gleichzeitig auch sehr schwierig zu erreichendes Ziel sei. Aufgrund der Komplexität und Brisans dieses Themas, versuche der neue Präsident bezüglich des Friedens mit der islamischen Welt auch die Republikaner mit einzubeziehen, um diese schwierige politische Hürde mit Erfolg zu überwinden.

Das „dritte Gebot“ sei die Wiederherstellung der Menschenrechte und Hervorhebung der Rechtsstaatlichkeit. Die Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo sei auch aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Obama habe sich dafür ausgesprochen, dass jeder Mensch ein Recht auf ein faires rechtsstaatliches Verfahren habe, da ansonsten das Vertrauen in die Justiz erschüttert werde. Weiterhin habe sich der neue Präsident ohne wenn und aber gegen Folter von Gefangenen ausgesprochen.

In dem weiteren Verlauf seines Vortrages gab Boyse an, dass das vierte Gebot die Kontrolle der Spekulanten bzw. Transparenz auf dem Finanzmarkt sei, das fünfte Gebot laute Umweltschutz, das sechste sei der Schutz der USA vor Terrorangriffen. Die Gebote sieben bis zehn beträfen innenpolitische Themen wie Gesundheit und Bildung.

Nach dem Vortrag wurde das Wort den Teilnehmern übergeben, die an den Generalkonsul Fragen stellten und ihre Meinungen zum Ausdruck brachten. Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich der Herr Kocak, der Vorsitzende des Rumi-Forums am Rhein, für die Teilnahme des Herrn Generalkonsuls und überreichte ein kleines Geschenk.

Medien und Integration-1

Medien und Integration

Konstitutiver Bestandteil einer Demokratie ist die Öffentlichkeit, die auch als „Diskursraum der Gesellschaft“ bezeichnet wird. Massenmedien wie Presse und Rundfunk sollen gewährleisten, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft am öffentlichen Diskurs teilnehmen kann.

In den meisten Fällen beschränkt sich diese Teilnahme zunächst auf das Zuhören bzw. Mitlesen; diese Tätigkeiten jedoch sind Voraussetzung, um später mitreden zu können. Mitreden zu können und zu wollen – sei es auf öffentlichen Veranstaltungen, sei es am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis – ist ein Zeichen für Integration. Den Medien kommt somit für das Zusammenleben verschiedener Ethnien in Deutschland eine wichtige Bedeutung zu.

Nehmen die Medien ihre Verantwortung wahr – und werden sie als Mittel der Integration wahrgenommen? Mit diesen Fragen hat sich diese Veranstaltung aus der Reihe „Gespräche am Rhein“ beschäftigt.

  • Ort: Schloss Garath, Düsseldorf
  • Datum: 12. November 2008
  • Medien und Integration-2 Medien und Integration-3
Stellung des Propheten Abraham-1

Stellung des Propheten Abraham in den drei monotheistischen Weltreligionen

Am 17. Oktober 2008 fand das vierte Rumigespräch am Rhein statt. Referent dieses Gesprächs war von der evangelischen Landeskirche der Pfarrer Herr Nikodemus, der in der evangelischen Landeskirche für den Bereich Ökumene, Mission und Religionen zuständig ist. Das Thema des Vortrags handelte über die hervorragende Stellung des Propheten Abraham in den drei monotheistischen Weltreligionen. Herr Nikodemus wies zu Beginn seines Vortrags daraufhin, dass der Prophet Abraham in der Geschichte der monotheistischen Religionen auf der einen Seite eine trennende Wirkung ausgeübt habe, jedoch seine Vereinende Wirkung deutlich überwiege.

Das Einende in den abrahametischen Religionen seien insbesondere die heiligen Schriften, die Propheten und der Glaube an das jüngste Gericht. Zudem gäbe es auch in spiritueller Hinsicht eine Vielzahl von verbindenden Faktoren, wie etwa die treibende Kraft der „Liebe“, die in allen Religionen eine zentrale Bedeutung zugeschrieben werden. In diesem Zusammenhang ging Herr Nikodemus kurz auf die „christliche Nächstenliebe“ ein und betonte, dass jeder Christ dieses Gebot zumindest als Ideal für sein Denken und Verhalten heranziehen müsse.

Die treibende Kraft der Liebe sei auch unter muslimischen Persönlichkeiten wie etwa Rumi nicht übersehbar. Diese vereinenden Elemente müssten auch in der Gegenwart als Orientierung herangezogen werden, damit das friedliche Miteinander der Menschheit hergestellt werden könne.

Weiterhin erinnerte Herr Nikodemus daran, dass die Angehörigen der drei Weltreligionen den Propheten Abraham in der Geschichte für sich alleine beansprucht und daraus sich auch Streitigkeiten und Konflikte ergeben haben. Dies sei darauf zurückzuführen, dass alle Religionen in dem Propheten Abraham eine Art Identifikationsfigur sehen würden.

Nach dem Vortrag wurde das Wort an die Teilnehmer übergeben, die Fragen über den Vortrag stellten. Insbesondere wurden Fragen dahin gehend gestellt, wieso es trotz der überwiegenden vereinigenden Gründe Spannungen und Gewalt im interreligiösen Bereich gegeben habe bzw. immer noch gäbe. Herr Nikodemus wies in seinen Antworten daraufhin, dass es fehlerhaft und irre leitend sei, wenn man in diesem Zusammenhang verallgemeinere. Er berichtete über seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Muslimen und unterstrich, dass positive sowie negative Verhaltensweisen bei allen Religionsangehörigen anzutreffen sei. Die radikalen Strömungen hätte es in der Geschichte immer gegeben, und zwar bei allen drei monotheistischen Religionen. Dieses Problem sei aber nicht nur in den Religionen verwurzelt, was allein anhand der beiden Weltkriege festzustellen sei, die nicht religiös motiviert gewesen sind. Viele Konflikte und gewaltsame Auseinandersetzungen seien vielmehr politischer Natur. Leider müsse man häufig die Feststellung treffen, dass die Religionen für politische Ziele instrumentalisiert werden würden.

Die Teilnehmer äußerten ihre Zufriedenheit hinsichtlich des Vortrags und brachten den Wunsch zum Ausdruck, religiöse Themen aufgrund der Aktualität öfters zu thematisieren.
Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich der Vorsitzende des Rumiforums am Rhein, Herr Tayyar Kocak, beim Herrn Pfarrer Nikodemus und betonte, dass man in erster Linie im interkulturellen Bereich tätig sei, aber dem interreligiösen Dialog ebenfalls sehr große Bedeutung beimesse.

 

  • Ort: Schloss Mickeln, Düsseldorf
  • Datum: 17. Oktober 2008
  • Stellung des Propheten Abraham-3 Stellung des Propheten Abraham-2
Ghettoisierung-1

Ghettoisierung

In öffentlichen Diskussion wird immer häufiger vom Problem der Ghettoisierung gesprochen. So wird der Eindruck vermittelt, dass dieses offensichtliche Problem meist die Schuld nicht integrierbarer Einwanderer sei und gestoppt werden müsse, damit nicht Zustände wie in Frankreich, England oder der USA entstehen.

Schon zu Beginn seines Referates machte Herr Karakoyun deutlich, dass der Begriff «Ghetto» nach der Definition im Meyerschen Lexikon für die Situation in Deutschland abzulehnen sei. Hiernach ist ein Ghetto die forcierte Ansiedlung einer Ethnie in einem Stadtbezirk, wie z.B. die behördlich erzwungenen und räumlich beschränkten jüdischen Wohnviertel der Vergangenheit.

Natürlich sei es nicht zu leugnen, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland geographisch ungleich verteilt sind: während im Westen 96% leben, sind es im Osten hingegen nur 4%. In Großstädten ist ihr Anteil am höchsten, vor allem in Stuttgart ( 40%), Frankfurt (39,5%) und Nürnberg (37%). Bei den unter 5-Jährigen liegt der Anteil in diesen Städten sogar über 60%. Knapp ein Drittel aller unter Fünfjährigen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Diese Zahlen können beunruhigend wirken, aber dennoch ist es falsch von Ghettoisierung zu sprechen. Sie ist hier nicht gezwungen, im Gegenteil: es ist natürlich, dass sich Einwanderer in einem fremden Land seinesgleichen suchen. In England, der USA und in Frankreich sind durchaus Quartiere mit 100% pakistanischem, latein- und afroamerikanischem oder arabischem Anteil zu finden, aber in Deutschland gibt es keinen Bezirk, wo der Anteil einer Ethnie 25% übersteigt. Aus diesen Gründen befürwortet Herr Karakoyun von Segregation und räumlicher Konzentration zu sprechen, ein über mehrere Jahrzehnte laufender Prozess und aus verschiedenen Gründen unvermeidbares Ergebnis. Solche Bezirke bringen durchaus positiven Nutzen, wenn man bedenkt, dass mittlerweile 300.000 Unternehmer mit Migrationshintergrund der deutschen Wirtschaft einen Beitrag von 50 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr leisten. Ohne Segregation und damit der Bildung eines Klientels mit besonderer Nachfrage wäre dieser Umsatz nicht möglich. Ebenso bilden sich ethnischen Quartieren Interessengesellschaften, gründen Vereine und formieren sich so zu Ansprechpartnern für die örtliche Politik. Somit stelle die räumliche Konzentration von Einwanderern kein Problem dar und man dürfe es nicht zu einem Problem machen, indem solche Gebiete vernachlässigt werden und von Investitionen verschont blieben.

Es wird nach demokratischen Regeln nicht möglich sein eine gleichverteilte Gesellschaft zu erzwingen, noch würde das Integration fördern, weil die Isolation unter „Anderen“ zu nichts nützliche psychologische Unruhe verursachen würde. Man solle die Segregation von Einwanderern als Tatsache akzeptieren und nicht versuchen diese aufzuhalten. Für ein harmonisches Zusammenleben gilt es echte soziale Probleme (Bildungsarmut und Arbeitslosigkeit) in solchen Gebieten zu lösen. In der wirtschaftlichen Blüte nach den 60er bis 80er wurde Ghettoisierung weder thematisiert noch problematisiert.

Nach Herrn Karakoyun muss die Integrationspolitik der Städte in den Wohnquartieren der Zuwanderer ansetzen und sollte deshalb Sorge tragen, dass die stadträumliche Segregation der Zuwanderer nicht zu ihrer gesellschaftlichen Ausgrenzung führt. In ethnisch geprägten Wohnquartieren müssen gleichwertige Chancen sichergestellt sein. Ebenso muss verhindert werden, dass ethnische Quartiere von den Zuwanderergruppen werden, sich von der Gesellschaft abzugrenzen und ein isoliertes Milieu zu bilden.

  • Ort: Schloss Mickeln, Düsseldorf
  • Datum: 04. September 2008
Macht der Bilder-1

Macht der Bilder

Viele deutsche und türkische Akademiker folgten der Einladung des Rumi-Forums am Rhein und nahmen auch an diesem Gespräch teil, der unter dem Titel „Die Macht der Bilder“ im Schloss Garath bei Düsseldorf abgehalten wurde. Herr Dr. Marc Hieronimus, Lektor für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Amiens (N-Frankreich) und Lehrbeauftragter für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität zu Köln, zeigte an diesem Abend anhand interessanter Beispiele, insbesondere historisch berühmter Pressebilder, die Einflüsse von Bildern auf den Menschen.

Das Thema leitete er mit den physiologischen Grundlagen des Sehens ein und machte den ca. 25 Gästen durch Beispiele optischer Täuschung deutlich, dass unser Gehirn durchaus Dinge sehen lässt, die nicht vorhanden sind. Ebenso wissen wir, dass Tiere durch viel sensiblere Sinnesorgane Dimensionen wahrnehmen können, welche unseren Sinnen verschlossen sind. Während man früher glaubte durch Fotografie die Realität einfangen zu können, werden heute den Bildern durch moderne digitale Manipulationen mehr Aussagekraft verliehen. Er erwähnte, dass das immerwährend monotone Aufgreifen und Darstellen von Themen auf Titelbildern vielgelesener Zeitschriften zu unbegründeten Ängsten führen kann, da sie oft bewusst suggeriert und zuweilen leider sogar inszeniert sind. Aus diesem Grund führen die in den Medien gezeigten Bilder meist zu schwer widerrufbaren Vorurteilen.

Nach einer anregenden Diskussion endete der Abend mit dem Fazit, Medienbilder mit Vorsicht zu genießen.

  • Ort: Schloss Garath, Düsseldorf
  • Datum: 23. Mai 2008
  • Macht der Bilder-3 Macht der Bilder-2