Beiträge

Salafisten waren vorher selten religiös! – Prävention gegen Salafismus

Salafisten waren vorher selten religiös!

Christlich-islamischer Gesprächskreis Solingen  erörtert über die Frage, warum sich Jugendliche dem Salafismus anschließen und wie man Präventionsarbeit leisten kann.


Der Gesprächskreis in Solingen lud zu einer Podiumsdiskussion zum Thema “Gewaltbereitschaft vieler Jugendlicher unter dem religiösen Schleier” ein. Als Referenten der Podiumsdiskussion waren neben Schriftstellerin und Islamkunde-Lehrerin Lamya Kaddor, Vorstandsvorsitzender des Rumi Forum am Rhein e.V., sowie Frau Sevdanur Özcan von „Wegweiser“ Wuppertal, der staatlichen Beratungsstelle gegen Salafismus und Radikalisierungs, Herr Jens Maßmann vom Technischen Berufskolleg Solingen, Izeldeen El Obeid vom Islamischen Zentrum und Hassan Firouzkah, Vorsitzender des Ausschusses für Integration und Einwanderung.

 

Das Thema der Veranstaltung wurde ausgiebig diskutiert und die Veranstaltung mit großem Interesse verfolgt. Knapp 70 Gäste wohnten der Podiumsdiskussion im Solinger VHS- Forum bei.

 

Lamya Kaddor erklärte zunächst, dass der Islam vom Islamismus deutlich zu trennen sei. Ganz gleich um welche extremistischen und fanatischen Gruppen es sich handelt, das Phänomen sei wiederkehrend: “Jugendliche auf der Suche nach ihrer Identität, dem Sinn des Lebens und nach einem sicheren Sozialgefüge.”

Diese ließen sich laut Kaddor dermaßen verblenden, dass sie schnell in extreme Gruppierungen rutschten und häufig in ein Umfeld hineintappten, in der Gewalt mindestens verherrlicht wird.

 

Nicht selten stünde hinter dieser Handlung der Jugendlichen ein Drang nach Rebellion gegen Eltern und ihr soziales Umfeld. Der Vorstandsvorsitzende des Rumi Forums am Rhein e.V., bekräftigte Kaddors Aussagen mit seinen Worten, dass oftmals ein fehlender Vater-, Großvater, oder eine andere wichtige Vertrauensperson in der Familie die Lage vieler Jugendlicher zusätzlich verschärfe.

 

Eine ähnliche Perspektive brachte Sevdanur Özcan. Sie berichtete von ihren Beobachtungen auf dem Feld, vor Ort bei den Betroffenen. Sie habe oftmals Mädchen bei „Wegweiser“, die gerade wegen fehlenden Bezugspersonen in der Familie und einem unrealistischen Romantikverständnis, sich von starken jungen Männern in die Szene der Radikalität ziehen lassen.

Aus den Fängen solcher Kämpfer, die zugleich als Helden betrachtet werden, könnten solche Mädchen dann nicht mehr zurück. Gerade deshalb müssten bei der Prävention vor allem Eltern, Familie, Lehrer und Gemeinden gegen die Radikalisierung in die Arbeit mit einbezogen werden und Verantwortung übernehmen, so die gelernte Familien-Therapeutin.

Jugendliche, die sich der salafistischen Strömung anschließen, seien selten vorher schon religiös gewesen.